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Remarque Villa
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Presse

NOZ am 11.02.2012 :


Vortrag über Remarques Frauengestalten
Osnabrück. Marlene Dietrich, Paulette Goddard oder Ilse Jutta Zambona – die Namen der schönen Frauen, die Erich Maria Remarque gekannt und geliebt hat, beeindrucken noch heute. Dennoch stellte Lioba Meyer zu Beginn ihres Vortrags klar, dass es sich bei den Frauenfiguren im Werk des Osnabrücker Schriftstellers um keine direkten Abbilder handelt.

Mit einer Mischung aus Vortrag und Lesung ging Meyer mit Hannah Bennhold-Rohwer der Frage nach, inwiefern Remarque die Frauen tatsächlich verstanden hat. Unter dem bezeichnenden Titel „Was verstehst du schon von Frauen? Von Heiligen und Huren. Frauengestalten bei Remarque“ fand die gut besuchte Veranstaltung im Erich-Maria-Remarque-

Friedenszentrum statt. Im Mittelpunkt der so unterhaltsamen wie informativen Veranstaltung stand der Roman „Der schwarze Obelisk“ von 1956. In der im Jahr 1923 angesiedelten Handlung lässt Remarque in Haupt- und Nebenfiguren eine Vielzahl unterschiedlicher Frauentypen aus allen Gesellschaftsschichten auftreten, die vom derb-erotischen „Prachtweib“ Lisa über fürsorgliche Huren und Künstlerinnen wie die Artistin Gerda und die zweistimmige „Duettistin“ Renée de la Tour bis hin zur geheimnisvoll-schizophrenen Isabelle reicht.

Remarques Sinn für ironischen Humor kam zudem in der Passage über die skurrile Frau Beckmann zum Ausdruck, die auf einem Herrenabend mit ihrem „steinharten Gesäß“ buchstäblich Nägel aus der Wand zieht. Vielfältig wie diese Frauenfiguren kam auch die eingespielte Musik aus den 1920er/1930er Jahren daher, in denen Marlene Dietrich in dem melancholischen Chanson „Wenn ich mir was wünschen dürfte“ nicht zwischen Glück und Unglück entscheiden kann.

Eine Kenntnis Remarques der weiblichen Psyche lässt sich nach Meinung Lioba Meyers bei aller weiblicher Vielfalt indes nicht erkennen. Wegen des großen Interesses an der Veranstaltung soll ein Zusatztermin geplant werden. (Uta Biestmann-Kotte)

 

 

NOZ am 20.09.2011 zum Festakt:25 Jahre EMRG:

„13 Menschen haben im September 1986 die Erich Maria Remarque Gesellschaft gegründet. Fast alle von ihnen gehörten zum „Tolopen-Volk“ – es waren Zugezogene. Dennoch wollten sie sich für den Osnabrücker Schriftsteller einsetzen: für seinen Ruf als Pazifisten…“

„Der ehemalige Leiter des Kulturamtes (Reinhard Richter) sprach über Nonkonformismus und seine Bedeutung für die Entwicklungsfähigkeit von Gesellschaften. Mit Bezug auf die Arbeitsweise des Vorstandes und auf die Stadt, vor allem aber mit Blick auf das Lebenswerk Remarques erläuterte er das Stichwort anhand der Lebensmaxime des Autors – Unabhängigkeit, Toleranz und Humor.“
(Marie-Luise Braun)

 

NOZ am 29.01.2011 zur Neuerscheinung von „Schatten im Paradies“ unter dem Titel „Das gelobte Land“. Vollständiger Artikel

Remarques langer Weg zu seinem letzten Roman


Osnabrück. „Der letzte große Remarque“ hieß es reißerisch auf dem Buchcover. Der Roman „Schatten im Paradies“, 1971 bei Droemer Knaur erschienen, galt lange Zeit als das literarische Vermächtnis des Autors, der mit „Im Westen nichts Neues“ einen der größten Bucherfolge des 20. Jahrhunderts gelandet hatte. Doch Dr. Thomas Schneider, Leiter des Erich-Maria-Remarque-Friedenszentrums in Osnabrück, ist auf „Schatten im Paradies“ nicht gut zu sprechen. „Es ging eindeutig um ökonomische Interessen“, sagt der Remarque-Experte. Paulette Godard, Schauspielerin, Partnerin Charlie Chaplins und Ehefrau des 1970 verstorbenen Autors, habe das Manuskript an den meist bietenden Verlag verkauft.
Remarque-Forscher wissen längst, dass der Autor selbst den Text für misslungen hielt, dem Verlagslektoren den blumigen Titel „Schatten im Paradies“ gaben. „Alles war falsch. Ich muss noch einmal anfangen“, notierte Remarque, als er 1968 mit der Arbeit an dem Roman begann, der das später „Schatten im Paradies“ genannte Werk ersetzen sollte. Das neue Buch wurde nicht mehr fertig. Und bis heute hat es nur mühsam an das Licht der Öffentlichkeit gefunden. 1998 erschien „Das gelobte Land“, so der Titel, zum hundertsten Geburtstag des Autors in der Kassette „Das unbekannte Werk“ bei Kiepenheuer & Witsch. Mit der Taschenbuchausgabe ist das Werk nun beim gleichen Verlag einzeln greifbar und könnte damit den Weg in die ganz breite Leserschaft finden.
Eine komplizierte Geschichte? Für Thomas Schneider liegen die Probleme des Textes noch auf einer ganz anderen Ebene. Remarque habe seine Romanmanuskripte von seiner Sekretärin abtippen lassen und auf diesen Typoskripten dann Korrekturen angebracht. „Das konnte sechs- oder siebenmal so weitergehen. Remarque hat oft mit mehreren Textfassungen gleichzeitig gearbeitet“, berichtet Schneider. Bei seinem letzten Roman habe der bereits schwer kranke Autor sein Arbeitstempo erhöht und jeweils einzelne Kapitel des Romans abtippen lassen und korrigiert. Das Resultat: Der heute vorliegende Text fügt sich aus Kapiteln zusammen, die bereits als Typoskript oder erst als Manuskript vorlagen. Wie Thomas Schneider ergänzt, hat Remarque nicht nur mit der Frage nach dem angemessenen Schluss des Buches ergebnislos gehadert, er hat auch den Gesamttext nicht mehr durchgesehen. „Das gelobte Land“ ist ein Text-Torso. Ist das Buch deshalb auch weniger wichtig? „Wir erhalten einen Einblick in die Gedankenwelt des Autors vor seinem Tod“, sagt Schneider. Und zugleich den definitiv letzten Roman Remarques.
Indessen wünscht sich Schneider, dass auch die anderen Romane des Autors neu überarbeitet werden. Mit deren Textgestalt soll es nicht immer zum Besten stehen. Eine neue Gesamtausgabe – das wäre Schneiders Traum. „Aber das ist wohl nicht zu finanzieren“, sagt er. (Stephan Lüddemann)
 

REMARQUE - Erich Maria Remarque Gesellschaft e.V.