Die Erich Maria Remarque-Gesellschaft Osnabrück e.V. trauert um
Frau Marianne Semnet
Im Alter von 75 Jahren verstarb am 29. Juli 2010 Marianne Semnet. Ihr Leben war geformt von Aufrichtigkeit und Geradlinigkeit. Geprägt von ihrem sozial-demokratischen/kommunistischen und im nationalsozialistischen Faschismus verfolgten Eltern, trat sie bereits als Schülerin für eine humane Solidarität und die Abschaffung einer totalitären Gesellschaft ein. Als Mitglied der FDJ und der verbotenen kommunistischen Partei verbüßte Marianne als 18-jährige in der Adenauer–Restauration eine Gefängnisstrafe in der Strafvollzugsanstalt Vechta, die ihr Engagement aber nicht brechen konnte. Marianne fand in den Gewerkschaften, der Friedensbewegung und der Deutschen Friedensunion neue Wirkungsstätten.
Bis zu ihrem plötzlichen Tode kämpfte Marianne unermüdlich gegen das Vergessen der faschistischen Verbrechen und gegen das Widererstarken des Neofaschismus.
Vor allem hier in Osnabrück setzte sie ihre ganze Kraft dafür ein, den ehemaligen GESTAPO-Keller im Osnabrücker Schloß zu einer Gedenkstätte umzugestalten, die im Jahr 2001 eröffnet werden konnte. Dort wo einst Menschen gefoltert und unter unmenschlichen Bedingungen gefangen gehalten worden sind, bevor sie in Vernichtungslagern ermordet wurden, können heute Schülerinnen und Schüler aktiv aus der Vergangenheit lernen – Marianne sei Dank.
Für ihr unermüdliches Engagement erhielt Marianne 2007 die Bürgermedaille der Stadt Osnabrück. Kurze Zeit später begann sie mit der Arbeit an ihrem ersten Buch “Meilensteine – ein Leben im Widerstand”, das 2009 erschien. Ihr Buch ist ein flammender Appell für eine soziale und menschenwürdige Welt, die Rassismus und Hass überwinden kann.
In der Erich Maria Remarque–Gesellschaft wirkte Marianne ebenso engagiert wie kritisch mit. Ihr wacher und sensibler Geist wird eine große Lücke hinterlassen. Ebenso werden wir ihr unermüdliches Eintreten für eine Sensibilisierung der jüngeren Generationen gegen die Gefahren faschistischen und militaristischen Gedankengutes vermissen.
Mariannes Leben ist auf das Engste mit dem ihres Mannes Erwin und den gemeinsamen Kindern verknüpft, die einen unersetzlichen Menschen verloren haben. Ihnen gilt das aufrechte Beileid des Vorstandes, der Geschäftsführung und der Mitglieder der Erich Maria Remarque-Gesellschaft. |